Baumschule Horstmann/Pflanzenschutz
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Baum des Jahres 2020

Robinie ist „Baum des Jahres 2020“

Unverwüstliche Bienenfreundin
Die Robinie ist „Baum des Jahres 2020“
Auch 300 Jahre nach ihrer Ankunft aus dem westlichen Nordamerika gilt die Robinie hierzulande noch als Neubürger. Jetzt wurde das Gehölz aus der Bohnen- und Erbsen-Verwandtschaft mit den cremeweißen Blüten und großen Stacheln zum Baum des Jahres gewählt.
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Baum des Jahres 2020

FLUCH UND SEGEN EINER BAUMART
Die Robinie - Baum des Jahres 2020 kann auch Hoffnungsträger sein
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Jean Robin, Apotheker, Botaniker und Hofgärtner, der von 1550 bis 1629 in Paris lebte und wirkte, hat nicht mehr erlebt, wie sein Name ein Jahrhundert später durch den schwedischen Naturforscher Carl von Linne „verewigt" wurde: Linne, Vater der modernen Klassifizierung und Gliederung von Pflanzenarten, gab einer Baumart, die Reisende aus dem fernen Nordamerika nach Europa gebracht hatten und die Jean Robin im botanischen Garten der Pariser Medizinfakultät gepflanzt haben soll, den Namen Robinia pseudoacacia. Der Zusatz „pseudo-acacia" weist auf eine äußerliche Ähnlichkeit der Robinien mit Akazien hin, mit denen sie nicht direkt verwandt sind: Die Akazien sind in Nordafrika beheimatet und gehören zu den Mimosen, während die Robinien (in diesem Fall: die Gewöhnliche Robinie) ursprünglich aus den Wäldern der südlichen Appalachen und des Ozark-Plato aus westlich des Mississippis stammen und zu den Schmetterlingsblütlern gehören. Die Robinie ist also keine ursprünglich bei uns beheimatete Baumart und gehört deshalb zu den Neophyten. In ihrer Heimat ist die Robinie eine Baumart unter vielen anderen und nimmt die ökologische Nische einer Pionierbaumart ein: Nach Sturm - oder Waldbrandschäden ist sie es, die auf den Schadflächen zuerst wächst und dann nach zwei, drei Jahrzehnten langsam von anderen, meist höher wachsenden Baumarten verdrängt wird. In Deutschlands Wäldern macht die Robinie mit rund 20.000 Hektar einen Flächenanteil von unter l Prozent aus. Häufig ist die Robinie aber als Park-, Allee- und Stadtbaum zu finden, was neben ihrer schönen und intensiv riechenden weißen Blüten auch an ihrer Genügsamkeit in Bezug auf Standort und Bodenverhältnissen liegt: Sie wächst auf verdichteten und nährstoffarmen Böden genauso wie auf trockenen Standorten mit hohen Lufttemperaturen. Viele Abraumhalden vom Braunkohletagebau öde der Erzgewinnung wurden mit Robinien aufgeforstet.
Genau diese Eigenschaften machten die Robinie für die Forstleute geeignet. Ende des 18. Jahrhunderts interessant: Die anspruchslose und in de Jugend rasch wachsende Baumart aus Nordamerika versprach, die meist ausgeplünderten Wälder, die durch Übernutzung und Streunutzung gelitten hatten, wieder leistungsfähig zu machen, denn die Nachfrage nach Holz war groß. Zudem eignete sich das Holz aufgrund seiner Härte und Witterungsbeständigkeit hervorragend für den Bergbau und für verschiedene Bauten im Außenbereich wie Brücken, Geländer oder Stege. Auch als Brennholz war die Robinie sehr gefragt, da ihr Brennwert höher ist als der von Eiche oder Hainbuche. Letztlich wurden in der deutschen Forstwirtschaft eher Fichten und Kiefern gepflanzt, um die steigende Holznachfrage zu bedienen, aber in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind bis heute noch größere Robinienbestände zu finden.
Es ist ihre Zähigkeit und ihre Strategie als Pionierbaumart, welche die Robinie zu einer invasiven Art werden lässt, die andere Arten verdrängt und, anders als in ihrer amerikanischen Heimat, Konkurrenz verhindert: Die Robinie fruktifiziert schon mit sechs, sieben Jahren, also deutlich früher als unsere heimischen Baumarten. Sie breitet sich auch durch Wurzelbrut aus, die Ableger können schon im ersten Jahr zwei bis drei Meter hoch werden. Aufgrund ihrer Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien), die im Wurzelbereich zu finden sind, kann die Robinie Luftstickstoff für ihr Wachstum nutzen, was ihr auf besonders nährstoffarmen Böden einen weiteren Vorteil sichert. Letztlich ist es nur ihre starke Lichtbedürftigkeit, mit der sie in ihre Schranken gewiesen werden kann: In geschlossenen Wäldern und auf beschatteten Waldböden hat sie keine Chance. Welches Potential die Robinie als invasive Baumart hat, verdeutlicht dieser Beitrag eines Nutzers auf dem Internet-Forum Garten-pur, de: „Robinie! Nie wieder! Ich habe,nachdem wir vor etwa 15 Jahren die alten Fichten an der Grundstücksgrenze meines Elterngartens gefällt hatten, munter die verschiedensten, gängigen Heckengehölze dort angesiedelt. Darunter waren auch zwei Robinien (die Varietät mit den hellgoldgrünen Blättern, weiß gerade nicht, wie sie heißt). Die Bäume sind extrem raschwüchsig, sehen wirklich sehr dekorativ aus und meine haben auch ziemlich schnell geblüht. Dann sind sie uns förmlich über den Kopf gewachsen. Ein Sturm brach dann auch ab und an mal einen Zweig heraus, nach einigen Jahren wucherten im ganzen Garten plötzlich Wurzelschößlinge, und nicht nur die der ,goldbelaubten' Art, auch die wohl noch schneller wachsende Ursprungsform ... Dann haben wir sie nach mehr als 10 Jahren gefällt, eine Mordsaktion, tolles Holz, aber das ganze Astwerk mit den wehrhaften Dornen zu handeln und zu bündeln, das hat eine Menge Blut gekostet! Ja, und dann haben uns die Robinien gezeigt, was echter Überlebenswille ist: Wirklich überall im Garten trieb das nun .baumlose' Wurzelwerk rasant ganze Urwälder an Schössern aus. Man musste sie mit dem Rasenmäher kurz halten. Heute, etwa 5 jähre nach der Fällaktion hat sich einer der Stümpfe, die wir damals (dummerweise?) nicht entfernt hatten, zu einem neuen Baum des alten Ausmaßes (mind. 10 m hoch) ausgewachsen, die Schösslinge müssen immer blutenden Händen im Zaum gehalten werden, nee, wenn ich heute die Wahl hätte, trotz seines herrlichen Anblickes, des Duftes und sonstwas wegens, NIE WIEDER kommt mir eine Robinie in den Garten." Fluch und Segen einer Baumart, die seit dem 16. Jahrhundert bei uns wächst: Passen bestimmte Voraussetzungen, ist die Robinie in ihrer Ausbreitung kaum zu bändigen. Jetzt, wo unsere Wälder durch die Auswirkungen des vom Menschen gemachten Klimawandels stark unter Druck geraten, kann sie ein Hoffnungsträger sein, weil sie noch dort wächst, wo es für heimische Baumarten zu heiß oder zu trocken wird. Gleichwohl müssen sich all unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, dass die Ursachen der Erderwärmung beseitigt werden, vorneweg die Nutzung fossiler Energieträger und die Zerstörung vorhandener Wälder! Die Robinie kann einen wichtigen Beitrag leisten: Zum Beispiel bei derWiederauf-forstung stark degradierter Flächen, die der Mensch auf Millionen von Hektar weltweit geschaffen hat. Ro-binia pseudoacacia verdient es, als „Baum des Jahres 2020" in den Fo-kus gestellt zu werden!
Wolfgang Weiß BN-Mitglied und Förster
Quelle : BUND Kreisgruppe Coburg
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